Ein besonderer Satz aus einem Buch, das ich gerade gelesen habe


Noch ein paar bemerkenswerte Sätze aus Amor Towles Roman Ein Gentleman in Moskau  :

 

Denn in diesem späten Lebensstadium ist es kaum unser Ansinnen, die Sammlung bleibender Erinnerungen noch zu vergrößern. Vielmehr sollten wir dafür sorgen, dass die Jungen ihre Erfahrungen in Freiheit machen können. Und das sollten wir ohne jede Verzagtheit tun. Statt sie zu Bett zu bringen oder ihnen die Mäntel zuzuknöpfen, sollten wir darauf vertrauen, dass sie selbst für sich sorgen können. Und wenn sie mit der neu entdeckten Freiheit ins Stolpern kommen, müssen wir die Fassung bewahren und großzügig sein, achtsam. Wir müssen sie ermutigen, unter unserem wachsamen Blick erste Schritte zu wagen, und wenn sie durch die Drehtür des Lebens treten, atmen wir stolz auf.

 

Man kann es wahrlich nicht besser ausdrücken!


 

Ich habe eine Passage über eine Örtlichkeit ausgewählt, die mir sehr vertraut ist. Einen Weg, den ich oft gegangen bin.

 

Karol ging fünfzig Meter weiter und überquerte die Neußer Straße an der Fußgängerampel Ecke Blücherstraße. Mit so forschem Schritt, wie sein rechtes Knie zuließ, näherte er sich wieder Haus Nummer 303 und machte, als er es erreicht hatte, einen Sidestep in den kleinen Eingangsbereich.

(ebenda S. 189)


 

 

Es ist mir sehr schwer gefallen, aus Esther Kinsky`s "Geländeroman Hain" einen besonderen Satz herauszusuchen! Die Autorin schreibt in einem sehr präzisen, dem beschriebenen Gegenstand ungeheuer gerecht werdenden Stil. Ein Beispiel:

 

Das Flimmern hatte nichts von dem blendenden Flirren des Sommers, nur eine sanfte Trübung, die mich immer zweimal hinschauen ließ, unsicher, ob ich mich im Erkennen eines Dings beim ersten Blick nicht getäuscht hatte.

(ebenda S. 111)


 

Beginnen möchte ich mit einem Satz aus Haruki Murakamis 2. Band von "Die Ermordung des Commendatore", wozu ich an anderer Stelle schon mehr geschrieben habe.

Der Erzähler beendet seine Tätigkeit als Zeichenlehrer und verweist auf seine Nachfolgerin - eine ehemalige Kunstlehrerin an einer Oberschule -

 

Sie war eine liebe Dame von Mitte sechzig mit dem gütigen Blick eines Elefanten.

(ebenda S. 466)


 

Zu Ende gelesen habe ich diesen amüsanten Roman noch nicht, dennoch möchte ich einen Satz daraus zitieren -

Als der Graf seine Augen wieder öffnete, hätte er beinahe seinen Löffel wieder fallen gelassen, denn an seinem Tisch stand das Mädchen mit einer Vorliebe für Gelb und musterte ihn mit dem unverhohlenen Interesse, das man von Kindern und Hunden kennt.

Die weitere Lektüre verspricht vergnüglich zu werden. Der Autor vermag spannend zu erzählen, das Thema ist von Interesse.

Amor Towles Ein Gentleman in Moskau - Ulstein TB

(ebenda S. 58)